WingTsun ist ein alter chinesischer Kung Fu Stil, der ins Deutsche übersetzt "schöner Frühling" heißt. Der Legende nach soll dies der Name einer von zwei Frauen sein, die dieses Kampf- und Selbstverteidigungssystem aus ihren Erfahrungen im Training mit Mädchen des Shaolin-Klosters entwickelt haben sollen. Eine ihrer Erkenntnisse ist, dass bei Beherrschung von Techniken auf gleichem Niveau und bei gleicher Mentalität derjenige Kämpfende überlegen ist, der über die größere physische Kraft verfügt. Aus diesem Grunde wurden bei allen Kampfkünsten, die als Sport ausgeübt werden, die Staffelung in Gewichtsklassen eingeführt.
Um der Überlegenheit von größerer Körperkraft zu entgegnen, wurde unter dem Einfluss des Tao ein Selbstverteidigungssystem geschaffen, das dieses physische Ungleichgewicht ausschaltet.
Das System des Wing Tsun basiert auf nur 12 Grundbewegungen. Zugunsten einer höheren Effektivität und größerer eigener Sicherheit des Verteidigers werden geradlinige Bewegungen bei gleichzeitigem Verzicht auf artistische Techniken wie z.B. Tritte zum Kopf oder umständliche Drehtechniken bevorzugt. Gleichzeitig wird Wing Tsun daher für den Schüler leichter erlernbar und schneller erfolgversprechend beherrschbar. Ein weiteres Trainieren der Grundtechniken führt zu gesteigerter Präzision und Schnelligkeit.
Eines der hervorhebende Merkmale des Wing Tsun ist, dass es ein System ist(n Elemente die miteinander in Beziehung stehen). Dieses wird durch vier Prinzipen ermöglicht:
1. Prinzip: Ist der Weg frei, stoß vor!
Mit diesem Prinzip kann der Angegriffene das Kampfgeschehen von Anfang an "in der Hand behalten": Der WT-Kämpfer reagiert auf feindseliges Überschreiten der Sicherheitsdistanz mit der sog. Universallösung. Dabei spielt die Art und Weise des gegnerischen Angriffs keine grundsätzliche Rolle.
2. Prinzip: Wenn der Weg nicht frei ist, bleib kleben!
Falls der Angreifer das Vorstoßen des WT-Kämpfers behindern kann, klebt der WT-Kämpfer an der gegnerischen Abwehr.
3. Prinzip: Wenn die Kraft des Gegners grösser ist, gib nach!
Aufgrund von Druckverhältnissen kommt es zu "taktilen" Reflexen (Chi-Sao-Reflexe). Diese passiven, direkt durch den Gegner bestimmten ("maßgeschneiderten") Abwehrreflexe lassen die Angriffsenergie ins Leere laufen. WT ist ein weicher Stil!
4. Prinzip: Zieht der Gegner sich zurück, folge!
Aufgrund des ständigen Vorwärtsdruckes dringt man sofort und automatisch wie Wasser in jede sich ergebende Lücke. So ist das 4. Prinzip die Konsequenz des Vorwärtsdruckes. Während man sich die Fähigkeiten zur Realisierung des 2. und 3. Prinzips im Chi-Sao-Training ("klebende Arme") aneignet, übt man das Zusammenspiel aller 4 Prinzipien im Lat-Sao (Freikampf). Das Bewegungsrepertoir erhält man aus den WT-Formen. Der Bewegungsreichtum, den man im WT vorfindet, wird durch die WT-Prinzipien und bestimmte Bewegungsmuster kaum eingeschränkt. Der Selbstverwirklichung und der individuellen Interpretation (des fortgeschrittenen WT-Anwenders) sind kaum Grenzen gesetzt.
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